Viele Wege führen nach Berlin

So auch Wahlunterlagen aus Deutschland in den Indischen Ozean und zurück

Bei unserem letzten Hafenaufenthalt in Salalah erhielt die gesamte Besatzung ihre Wahlunterlagen für die deutsche Bundestagswahl am 22.09.2013 um diese wieder rechtzeitig nach Deutschland schicken zu können. Zumindest fast alle. Von elf Kameraden fehlten die Wahlunterlagen. Und die fehlenden Wahlunterlagen wurden nach eigentlichem Postschluss in Salalah nach Wilhelmshaven geschickt. Bei dieser Tatsache musste schnell eine Lösung her. Was nun? Für den 20. September ist der nächste Hafenaufenthalt geplant, leider zu spät, um die Unterlagen fristgerecht nach Deutschland zu bringen geschweige denn erst einmal zu erhalten. Ein Tag früher Einlaufen? Eine Option, aber mit operativen Einschränkungen verbunden.

Durch die Präsenz vieler verschiedener Nationen im Einsatzgebiet konnten wir am Ende eine gute und zugleich seltene Lösung herbeiführen. Nach Durchsicht der allgemeinen Post in Wilhelmshaven wurden die Unterlagen identifiziert und nach Djibouti geflogen. Dort durch den Zoll, von der deutschen Unterstützungsgruppe eingepackt und zwei Tage später mit dem spanischen Seefernaufklärer namens „Jason“ zu uns verbracht.

So fuhren wir am 11. September zu einer festgelegten Position vor der somalischen Küste und warteten ab 11.15 Uhr auf den spanischen Seefernaufklärer. Denn dieser hatte die fehlenden Papiere in einem orangefarbenen Zylinder mit dem Vorhaben, diese in den indischen Ozean zu „droppen“. Unser Speedboot zum Fischen des Päckchens wurde ausgesetzt und alle warteten nun nur noch auf das Luftfahrzeug.

12.30 Uhr war es dann endlich soweit, der Seefernaufklärer flog in etwa 300 Fuß an unserer Steuerbordseite vorbei und schon landete die Wurfsendung im indischen Ozean. Sofort fuhr unsere Speedbootmannschaft los und fischte die elf weiteren „Stimmen“.

Sobald alle Wahlunterlagen nun ausgefüllt sind, werden die Unterlagen durch unseren Zahnarzt nach Deutschland gebracht. Aber wie?

Am 17. September treffen wir uns mit der italienischen Fregatte „Zeffiro“ im Seegebiet in der Nähe des Horns von Afrika. Mit einem unserer Bordhubschrauber gelangt dann unser nach Deutschland zurückzuführender Zahnarzt an Bord der Fregatte, welche am 18. September in Salalah einlaufen wird. Von da aus fliegt er dann in die Heimat. Nicht nur, weil ein „Personalaustausch“ unseres Zahnarztes stattfindet, sondern auch damit die Wahlunterlagen noch rechtzeitig die Wahlämter erreichen.

Ein ungewöhnlicher, einmaliger und vor allem spannender Weg seine Stimme zur diesjährigen Bundestagswahl auch aus weiter Ferne abzugeben.

"Jason" im Anflug; Foto: OLtzS Knaak

Das rote Päckchen wir "gedroppt"; Foto: LtzS Jens A.

Erfolgreich gefischt. Die Speedbootbesatzung übergibt den Behälter an den Ersten Offizier.; Foto: LtzS Jens A.

Auf der Brücke werden die ersehnten Wahlunterlagen ausgepackt. Der Kommandant mit Brückenpersonal.; Foto: LtzS Jens A.

   
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