Freundliche Annäherung an der Somalischen Küste

Ein Auftrag zur Informationsgewinnung

Neben unserem Hauptauftrag, Schiffe des Welternährungsprogramms zu schützen, die Seehandelsrouten zu sichern sowie die Piraterie in der Region zu bekämpfen, spielt auch die Gesprächsaufklärung eine wichtige Rolle im Atalanta-Einsatz. Durch die Aufklärung erfahren wir so Gewohnheiten und charakteristische Handlungen der Piraten entlang der somalischen Küste. Sogenannte „friendly approaches“ durchzuführen  bedeutet, sich Fischern vor der Küste freundlich anzunähern und mit diesen ins Gespräch zu kommen um Informationen zu sammeln.

So langsam schwindet die Monsunzeit im Gebiet und die See wird ruhiger. Das heißt zugleich, dass die Fischerei aber auch eventuell Piraterie an der ostafrikanischen Küste zunimmt. Auch wenn die Piraterie am Horn von Afrika derzeit einen historischen Tiefstand aufweist.

Am 10. September war es für unsere „Lady“ zum ersten Mal in diesem Einsatz soweit. „Sich Klarmachen zum Friendly Approach“ läutete es durch die Lautsprecheranlage und alle beteiligten Soldaten der Besatzung begaben sich auf ihre Station. Die Annäherung an ein Fahrzeug haben wir bereits auf dem Transit ins Einsatzgebiet mehrere Male, nahezu fast täglich, geübt, so dass jeder sofort wusste was er zu tun hat. Doch nun wurde die Übung zur Realität.

Auf dem Radar waren mehrere Kontakte im Vorausbereich zu erkennen. Wenig später meldet der Ausguck, dass es sich um drei kleine Skiffs und eine größere Dhau handelt. Dies ist typisch für die Fischer an der Küste. Häufig nutzen sie ein „Mutterschiff“, auf dem sie Proviant und Wasser lagern. Mit den kleineren Fahrzeugen verteilen sie sich dann, um ihre Netze auszuwerfen.

Sofort findet auf der Brücke das sogenannte „Initial Huddle“ statt, wobei die Lage erst einmal aufgefasst wird. Hier laufen alle Informationen zusammen. Navigationsoffizier, Rechtsberater, Feldjägeroffizier und Boarding-Sicherungsteamführer tragen ihre Beiträge vor. Der Schiffseinsatzoffizier fasst die komplexe Lage zusammen. Die Entscheidung über das weitere Vorgehen trifft am Ende der Kommandant. So entschloss er sich, über die Lautsprecheranlage einen ersten Kontakt zu den Fischern herzustellen.

An seiner Seite sind auch immer die beiden Übersetzer des Bundessprachamtes. Sie sind speziell für diesen Einsatz an Bord und überbrücken die sprachlichen Barrieren zu den Fischern im Seegebiet. Je nach Herkunft sprechen diese neben Somalisch auch Arabisch.

Die erste Kontaktaufnahme durch unsere Sprachmittler fruchtete und parallel dazu wurde unser eigenes Speedboot ausgebracht. Das Boardingteam und auch ein Sprachmittler begaben sich nun mit dem Speedboot zu den Fischern um mit ihnen in Kontakt zu treten. Die Gesamtsituation stellte sich als ungefährlich heraus. Die Gespräche mit allen Fischern verliefen freundlich und so verlegte unser Team auch nach einer erfolgreichen Aufklärung wieder zurück.

Die Fischer vor der somalischen Küste besitzen lediglich kleine Boote, welche der ständig wechselnden Witterung ausgesetzt sind. Oftmals verbringen die Fischer Wochen auf See um mit der Fischerei „über die Runden zu kommen“, ohne ausreichend Nahrung geschweige denn eine  „Grundausstattung“ wie zum Beispiel Medikamente mit sich zu führen. Vor diesem Hintergrund nutzen wir die freundliche Aufklärung natürlich nicht nur zur Informationsgewinnung, sondern auch um einfache Belange der Fischer erfüllen zu können.

   
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