Zu Gast in den Fjorden Norwegens

Fregatte NIEDERSACHSEN zur Radarvermessung in Stavanger

 

Wieder einmal heißt es "Alle Leinen los und ein!" für die NIEDERSACHSEN und wieder einmal heißt es Abschied nehmen, wenn auch nur für ein paar Wochen. Am Freitag, den 19.10.2012 läuft die Fregatte NIEDERSACHSEN aus, um in Norwegen - genauer in Stavanger - die Funktionalität der eigenen Sensorik nachzuweisen. Denn genau dies ist das Ziel für deutsche Einheiten, wenn sie den NATO - Stützpunkt in Stavangar anlaufen. Die Abkürzung FORACS steht hierbei für FORCES SENSOR AND WEAPONS ACCURACY CHECK SITES. Was sinngemäß nichts anderes bedeutet, als dass die Sensoren des Schiffes in ihrer Genauigkeit und Fuktionalität überprüft werden, sowie auf ihre Kompatibilität mit den verschiedenen Waffensystemen des Schiffes.

Das freitägliche Auslaufen gestaltete sich problemlos, ebenso wie der Transit gen Norwegen. Dieser verlief, wie die letzten Seefahrten auch, unter der Prämisse der Ausbildung. Und so konnte bei recht ruhiger See das ein oder andere Seebein wachsen. Auch der Samstagvormittag stand noch im Zeichen der Ausbildung auf den einzelnen Gefechtsstationen. Denn trotz des bevorstehenden FORACS liegt das Augenmerk für die Besatzung noch immer auf der Vorbereitung zur Einsatzklarprüfung. Bot somit der Vormittag wenige Möglichkeiten die ersten Eindrücke von Norwegens Küste zu sammeln, so sollte dies am Nachmittag geschehen. Nicht nur, dass Stavanger in einer landschaftlich einmaligen Region im Süden Norwegens liegt und sich die Testrange der kommenden Woche zwischen Fjorde der Region schmiegt, auch einer der bekanntesten und schönsten Fjorde der Region liegt in direkter Nähe. Der Lysefjord bietet für den Nachmittag also eine gute Möglichkeit das Navigieren in engen Gewässern zu Üben und für die Besatzung einen ersten Eindruck von den landschaftlichen Vorzügen Norwegens. Zwischen den bis zu 1000m hohen Felswänden wirkt sogar eine Fregatte NIEDERSACHSEN klein und erst recht das zu Ausbildungszwecken ausgesetzte Speedboot.

 

Bei gutem Wetter und viele Fotos später musste der Lysefjord allerdings zurückbleiben und 18:00Uhr legte die Fregatte NIEDERSACHSEN an der FORACS-Pier in Ulsnes, einem vorgelagerten Ortsteil Stavangers, an. Der Sonntag im fremden Hafen konnte dann sogleich genutzt werden, um die Umgebung auch zu Fuß zu erkunden. Als freier Tag für die Besatzung nutzte diese die Zeit um sich Stavanger, oder auch die umliegende Landschaft genauer anzuschauen. Es gab eine Bustour mit Wanderung auf den Predigerstuhl, einem bekannten Felsplateau im Lysefjord, Busfahrten in die Stadt oder auch die Möglichkeit einfach zu Fuß die Insel Ulsnes zu erkunden. Doch so schön sich dieses Land auch darstellt, so sehr zeigt es auch seine Päsenz im Portmonnaie. Norwegen präsentiert sich wie eine echte Dame: Schön in der Betrachtung und teuer im Unterhalt.

"Messung erfolgreich, nächste Messung beginnt zur Minute `10"

Der Montag läutet nun die wirkliche FORACS Woche ein. Diesen Tag im Hafen verbringend, verteilen sich über das gesamte Schiff zivile Mitarbeiter wie Ameisen, um in einer akribischen Kleinstarbeit die NIEDERSACHSEN bis ins Detail zu verkabeln. Es werden Laptops angeschlossen, Kabel gelegt, Räume werden für das externe Personal umfunktioniert, Schotten können nicht mehr geschlossen werden, der Hangar gleicht einem Rechnerraum. Man hat das Gefühl, dass die gesamte Sensorik keine Chance hat zu arbeiten, ohne dass auch nur das kleinste Elektron unbemerkt bleibt. Für die Besatzung ist bei dieser Phase höchste Vorsicht geboten und das ist auch der Grund, warum es auch am Montag nach Dienst wieder viele in die Stadt und runter vom Schiff zieht. Zeigt sich die FORACS-Woche in Form einer Parabel, so kann man wohl Dienstag und Mittwoch als Höhepunkt dieser Kurve bezeichnen. Beide Tage sind geprägt von Tagesfahrten in dem Übungsgebiet, in denen die verschiedenen Messungen stattfinden. Würde man die Fahrtstrecke der Fregatte in diesen Tagen aus der Luft betrachten, könnte man sich auf Grund der Schlangenlinien fragen, ab der Rudergänger getrunken hat. In Wahrheit aber würde man sich immer wiederholende Muster erkennen, welche die Fregatte NIEDERSACHSEN zwischen den Fjorden zeichnet. Das Übungsgebiet zeichnet sich durch verschiedenste Messpunkte aus, welche mit wechselnden Kursen wiederholt angesteuert werden müssen. So ist es möglich, dass über die vielen Messpunkte im Schiff geprüft wird, ob die Ergebnisse in den von den Prüfern geforderten Limits liegen. Nach diesen beiden Tagen lässt sich festhalten: Auch nach einer langen Werftphase ist die NIEDERSACHSEN noch bestens justiert und ihre Sensoren funktionieren noch einwandfrei. Am Ende des Mittwochs sind dann alle Messungen mit Erfolg durchgeführt und mit der letzten Messung fangen die Ameisen wieder an, das Schiff von Seemeilen von Kabeln zu befreien. Was noch am Montag einen ganzen Tag in Anspruch genommen hat, ist nun in wenigen Stunden abgearbeitet. Am Ende des Tages liegt die NIEDERSACHSEN wieder in ihrem Urzustand an der FORACS-Pier, als ob es nie das ein oder andere zusützliche Kabel gegeben hätte.

 

Trotzdem die Messungen erfolgreich durchgeführt worden sind, verlässt die NIEDERSACHSEN Stavanger noch nicht. Auf Grund der Wetterlage außerhalb der Fjorde wird das Auslaufen erst auf den Freitagnachmittag gelegt. Das gibt zusätzlich Raum die Ausbildungen stattfinden zu lassen, die sich besser während einer Hafenroutine durchführen lassen. Der Donnerstag glänzt somit an allen Stellen mit Ausbildungen, Einweisungen oder Übungen. Ebenso werden Arbeiten vorgenommen, welche auf See liegen bleiben oder schwer durchzuführen sind. Auch der Freitagvormittag gestaltet sich ähnlich. Er ist geprägt von der ABC-Abwehr - Ausbildung (Atomare, Bioligische und Chemische Bedrohung) und die Einweisung der Besatzung in kommende ABC-Lagen. Zwar mag einem Außenstehenden die Gefahr eines ABC-Angriffs eher unwahrscheinlich vorkommen, nichtsdestotrotz wird die Besatzung jeder Einheit der Deutschen Marine auf ihr Verhalten bei einem solchen Angriff geprüft. Kaum war diese Hürde genommen, sollte sich die Zeit der NIEDERSACHSEN an der FORACS-Pier auch schon ihrem Ende zuneigen. Eingeläutet durch die Auslaufmusterung, vierließ die NIEDERSACHSEN den Schutz der Fjorde und somit auch Norwegen um 15:00Uhr. Auf Grund des kalten Wetters und dem schon Donnerstag einsetzenden leichten Schneefall, konnte ein letzter Blick zurück noch die schneebedeckten Gipfel der Fjorde bewundern.

Zum Abschluss einer langen Woche

Die Fjorde noch im Kopf und die Neustädter Bucht als nächstes Ziel auf der Karte, führt uns der Transit am Samstag immer weiter gen Süden und schließlich in die Ostsee. Nicht vergessend, dass uns in der kommenden Woche in der Neustädter Bucht die SAGA (Schadensabwehrgefechtsausbildung) erwartet, ist auch dieser Transit gut zur Vorbereitung nutzbar. Der Gefechtsklarzustand im ganzen Schiff wird bis ins Detail kontrolliert. Alles ist zu verschließen, zu sichern, festzubinden und auch einheitlich zu beschriften. Egal ob Decks, Kammern, Betriebsräume oder Messen, alles ist für ein mögliches Gefecht so verzubereiten, dass sich im Falle eines Treffers nichts löst und einen eventuellen Schaden noch vergrößert oder eine Gefahr darstellt. Nachdem am Vormittag das gesamte Schiff geschnürt und gesichert ist, wird der Nachmittag von der Elektrotechnik genutzt. Es wird ein Totaler Spannungsausfall durchgeführt. So wird jeder einzelnen Stelle an Bord genau klar, welche Geräte ihr im Ernstfall dann noch zur Verfügung stehen und wenn ja, wie lange. Egal ob Operationszentrale, Führungsmitteltechnik oder auch die sichere Navigation, alles ist auch bei einem Ausfall mit verschiedenen Backups gesichert.

Aber auch ein Samstag voller Ausbildung geht zu Ende und Sonntagmorgen fällt in der Neustädter Bucht der Anker. Der letzte Tag vor der SAGA soll für den Feinschliff genutzt werden und auch der Erholung dienen. Der erste Schritt ist schon durch eine Stunde mehr Schlaf gemacht - Winterzeit. Und nach einem Großreinschiff folgt der Seemannssonntag mit Kaffee und Kuchen. In den Hauptabschnitten werden die letzten Vorbereitungen getroffen. Fernschreiben werden ausgewertet, Betriebsräume vorbereitet, Checklisten sortiert und der Gefechtsanzug klariert. Die Besatzung der Niedersachsen ist "well prepared" und "ready to fight"!

Ohne Mampf kein Kampf

So auch auf der Lady NIEDERSACHSEN. Als Abschluss nach einer langen Woche, viel Training, einer erfolgreichen FORACS-Woche und als Einstimmung und Motivation für die kommenden Anstrengungen steht der Sonntagabend im Zeichen der Besatzung. Unter dem Motto "Herbstlicher Abend mit Wildschweinessen" findet sich die gesamte Besatzung im Hangar ein.

Begleitet von den Worten des Kommandanten kann sich jeder an herbstlich gedeckten Tischen bei Kerzenlicht und bestem Essen wiederfinden. Die Kombüse bietet neben Ochsenschwanzsuppe, Wildschweinbraten, Rotkohl und Knödeln auch Karamellcreme und nach Wunsch auch zwei Glas Wein für jeden.

Unter diesen Umständen kann die SAGA kommen!


Text: OLtzS Kietzmann, Victoria

Bilder: OLtzS Kietzmann, Victoria; OMt Manthey Julien

   
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