Fregatte NIEDERSACHSEN ist einsatzklar

Die Besatzung zeigt beim GOST erfolgreich ihr Können

 

Knapp zwei Monate war die Fregatte NIEDERSACHSEN, und mit ihr rund 200 Männer und Frauen der Besatzung, unterwegs. In diesen sieben Wochen zeigten sie vor der südenglischen Küste nahe Plymouth ihre Lernbereitschaft und ihr Können. Die Stadt Plymouth zeichnet sich nicht nur durch ihre Lage in der Grafschaft Devon aus, sondern ebenso durch ihren großen und international besetzten Marinestützpunkt Devonport. Genau dieser sollte in der Zeit vom 23. Januar bis zum 15. März auch die Anlaufstelle der NIEDERSACHSEN werden.

 

 

Kommandant Fregattenkapitän Kurt Leonards:

„Die Besatzung der Fregatte NIEDERSACHSEN ist gut vorbereitet!“

(Foto: OLtzS Victoria Kietzmann)

Warum zum Training nach England verlegen?

Warum deutsche Schiffe immer wieder in den letzten Jahrzehnten dort zu finden waren, ist leicht zu erklären. In Devonport befindet sich der sogenannte FOST (Flag Officer Sea Training mit seinem Ausbildungsstab und –einrichtungen). Ihm unterstellt ist ein deutscher Verbindungoffizier. Seine Aufgabe ist es, darauf zu achten, dass die englischen Ausbilder bei ihren Übungen die deutschen Inhalte berücksichtigen. Das dortige Training gibt der jeweiligen nationalen Ausbildung den so genannten letzten Schliff und prüft am Ende alle Teilnehmer auf ihre Einsatzfähigkeit. Dies macht nicht nur eine standardisierte Ausbildung möglich, sondern strebt auch einen gleichwertigen Einsatzklarzustand aller Teilnehmernationen an.

 

Die NIEDERSACHSEN bei starker See – auch in England kein seltener Anblick

(Foto: Bordchronik)

Nicht nur reine Patrouille

Zwar sind die Einheiten von dem montäglichen Auslaufen, bis zum freitäglichen Einlaufen Teil einer fiktiven Lage und immer wieder auch gezwungen mit eventuellen asymmetrischen und somit unangekündigten, Bedrohungen umzugehen, dennoch bietet jede Woche der Ausbildung einen geregelten und ähnlichen Ablauf. Dieser ist geprägt durch Überwasser-, Unterwasser- und Luftkriegsführung, sowie etliche seemännische Manöver. Für die Besatzung bedeutet dies einen ausgefüllten Tag von 0500 Uhr bis mindestens 2230 Uhr, wenn der Anker im Plymouth Sound fallen darf. Wenn man dann Freitagmittag endlich einläuft und in Devonport festgemacht hat, sehnen sich alle das wohlverdiente Wochenende herbei. Jedoch ist es auch am Wochenende vorgesehen die Einheiten zu prüfen. An einem der Tage findet unangekündigt der „Walkaround“ statt, eine Prüfung des äußeren Zustandes des Schiffes. Hierfür wird jeden Freitag und Samstag durch die Wochenendwache das Schiff auf Hochglanz gebracht.

 

Das Barbican – der Altstadthafen Plymouths. Zum Abschalten von der Ausbildung.

(Foto: OLtzS Victoria Kietzmann)

Nichts ist so beständig wie die Änderung

Sagt eine deutsche Einheit, sie fährt zum GOST, erwartet sie immer ein festes Programm von sechs Wochen. Diese sechs Wochen lassen sich in eine Hafenwoche und fünf Seewochen einteilen. In der Hafenwoche wird nachgewiesen, dass die Einheit ‚Safe to Train’, also klar für die Ausbildung ist. In den folgenden ersten vier Seewochen folgt dann genau dieses Training, welches in der fünften Seewoche seinen Abschluss in der Final Inspection, der abschließenden Überprüfung, findet. So sollte es zumindest sein. Nicht aber, wenn man den Zeitrahmen der Fregatte NIEDERSACHSEN genauer betrachtet. Hier fällt auf, dass das Schiff sieben Wochen in England verbracht hat. Auf Grund einer technischen Einschränkung war die Fregatte NIEDERSACHSEN allerdings noch am ersten Tag gezwungen ihre Ausbildung zu unterbrechen und wieder nach Devonport einzulaufen. Dort wieder fest, fand die erste Seewoche somit im Hafen statt. Die Ausbildung wurde nach Möglichkeit nicht unterbrochen, sondern den Umständen angepasst. Auf Grund des so entstandenen Zeitverzuges wurde das Training allerdings um eine Woche verlängert. Da waren es also sieben Wochen.

 

Mann über Bord - Medizinische Betreuung

(Foto: StGefr Christian Zumpf)

Die Ausbilder (auch Searider genannt) stets zur Seite

(Foto: StGefr Christian Zumpf)

Als wäre nichts gewesen

Doch nach einer Zwangspause in der Ausbildung und Spannung bei den Reparaturen konnten alle aufatmen. Die Problematik Verstellpropelleranlage war behoben, das Auslaufen für Montag gesichert. Auch die Erprobungen verliefen erfolgreich. Die Fregatte NIEDERSACHSEN setzte ihre Ausbildung fort – fast – als wäre nichts gewesen. Da längst nicht alles beim Krieg an der Pier dargestellt werden kann, waren die Erwartungen an die Besatzung danach hoch und das Ausbildungsprogramm eng gestrickt. Luftabwehrübungen folgten auf Seeversorgungsmanöver, Uboot-Jagd auf Leck- und Brandabwehr und das Schleppen einer anderen Einheit wurde ebenso geübt, wie das Aufspüren von möglichen Waffentransporteuren.

 

Leckbekämpfung

 (Foto: StGefr Christian Zumpf)

Marine an Land – nichts ungewöhnliches

Doch auch an Land müssen die Einsatzkräfte der Marine sich beweisen können. Zeigen konnte die Besatzung dies anhand von zwei Szenarien. Zum einen dem Selbstschutz bei einer Nachversorgung im Hafen, zum anderen bei einer Katastrophenhilfe. Es wird festgestellt ob eine Einheit in der Lage ist sich in einem Hafen mit örtlichen Unruhen selbst zu schützen, deeskalierend zu wirken, und Flüchtlinge zu evakuieren um anschließend notauszulaufen. Sicherlich keine alltägliche Aufgabe, aber mit Sicht auf die Einsatzgebiete deutscher Einheiten nicht unwichtig. Begleitet von Ausbildern und unterstützt durch hoch motivierte Schauspieler, fiel es den Besatzungsangehörigen nicht schwer, sich in das Szenario zu versetzen.

Rettung eines verschütteten Babys

(Foto: OMt Julien Manthey)

Ganz ähnlich verlief es bei der Katastrophenhilfe. In einem extra dafür geschaffenen Dorf wurde die Besatzung mit Verletzten und Toten konfrontiert. Sie kam in ein Dorf, welches durch einen Hurrikane komplett zerstört wurde und wo es galt die grundlegende Infrastruktur wieder aufzubauen. Als Ersthelfer vor Ort war es die Besatzung der Fregatte NIEDERSACHSEN, welche die Bewohner registrierte, Verletzte versorgte, Brände löschte, die Bewohner mit Nahrung und Wasser versorgte und die grundlegende Infrastruktur wieder herstellte.

Medizinische Versorgung einer verletzten Dorfbewohnerin

(Foto: OMt Julien Manthey)

Am Ende erschöpft aber glücklich

In jeder Hinsicht ist die Ausbildung in England fordernd und anstrengend. Ziel ist es die Besatzung nicht nur an ihre Grenzen zu bringen, sondern ihnen darüber hinaus auch Bestmögliches abzuverlangen. Doch alle sahen dies nicht nur als Ausbildung, sondern nahmen die Herausforderung an und wollten zeigen, was alles in ihnen steckt. Die Freude an der Ausbildung nicht verlieren, dass ist das wichtigste, besonders für einen erfolgreichen Abschluss. Und den gab es für die NIEDERSACHSEN. Am letzten Donnerstag, nach der Final Inspection gab es das Ergebnis. Ein erfolgreiches Abschließen und das Erlangen der Einsatzfähigkeit!

Nach diesem Ergebnis hieß es also ein letztes Mal: Anker auf! Und dann ging es schnellstmöglich nach Wilhelmshaven.

 

Text: OLtzS Victoria Kietzmann

   
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