Nach 388 Tagen wieder in ihrem Element
Die Fregatte NIEDERSACHSEN zeigt nach langer Werftphase, dass sie ihren Biss nicht verloren hat.

Nach einer annähernd 388 Tage andauernden Überholung in der Neue-Jade-Werft, dem Marinearsenal und ihrem Heimatstützpunkt, erstrahlt die Fregatte NIEDERSACHSEN in neuem Glanz! Endlich ist die Zeit des Putzens, Pönens, Prüfens und Planens vorbei, endlich beginnt auch für die NIEDERSACHSEN wieder die richtige Seefahrt!

 

Foto: OMt Manthey, FGS NIEDERSACHSEN
 
Alltagsbetrieb auf der Brücke


Am 10. September startet mit ihrer ersten längeren Seefahrt somit auch wieder die Zeit der Ausbildung und der Einsatzvorbereitung. Die hierfür angesetzte Schiffseinzelausbildung, sowie die darauf folgende SAGA Initial (Schadensabwehrgefechtsdienstausbildung) Phase mit abschießender Seeklarbesichtigung, sollen vom 10. bis zum 27. September zeigen, dass nicht nur unsere Lady noch topfit, sondern ebenso ihre Besatzung willens ist, sich auf ihre Herausforderungen vorzubereiten. Und schon die erste Woche Seefahrt sollte genau dies unter Beweis stellen.

Die See ruft
Und so heißt es Montag dann endlich im Marinestützpunkt Wilhelmshaven:
"Alle Leinen los und ein!"
Was bedeutet dies für ein Kriegsschiff? Üben, üben, üben - für den Einsatz. In dem Wissen, dass im ersten Quartal 2013 unsere Einsatzfähigkeit in England auf die Probe gestellt werden wird, beginnt nun eine endlos scheinende Phase der intensiven Vorbereitung.
Schon der Montag ist geprägt von Notrollen und dem Überprüfen der Handlungssicherheit der Besatzung. Ob ein simuliertes "Mann über Bord" Manöver, oder ein "Feuer im Schiff" zur Übung, die grundlegenden Verhaltensweisen müssen zu jederzeit auf See sitzen. Doch nicht nur die Besatzung, auch die Technik zeigte sich von ihrer besten Seite. Das Überprüfen des Fahrverhaltens und der Fahrtwerte des Antriebs ist erfolgreich und ebenso das Funktionsschießen unserer Marineleichtgeschütze (Kaliber 27mm) wird durchgeführt.
Auch der Dienstag lässt uns noch in der Deutschen Bucht verharren. In den zugewiesenen Schießgebieten können wir unsere Nachweise im See- und Luftzielschießen mit dem 76mm Geschütz, liebevoll Marta genannt, fahren, als auch mit weiteren Ausbildungen die Besatzung auf zukünftige Herausforderungen sensibilisieren. Nach langer Pause ist es nun die Alarmklingel, welche unseren Alltag bestimmt.
Ausbildung, nicht nur Daheim
Sobald wir nicht mehr an das Schießgebiet gebunden sind, beginnt auch schon der langsame, aber stetige Transit gen Dänemarks Norden. Doch kein Tag dieser Seefahrt soll ungenutzt vergehen, so auch nicht der Mittwoch.

Foto: OMt Manthey, FGS NIEDERSACHSEN

Ein Sea King Hubschrauber wird mit Ketten auf dem Flugdeck gesichert.

Nicht nur durch Stellproben und Notrollen zur Übung gefordert, erwartet die Besatzung heute auch Flugbetrieb. Zum einen wird somit das Verhalten bei einem Mann-Über-Bord Manöver, einem Ruderversager, einem Feuer im Schiff oder einem Wassereinbruch abgefordert. Zum anderen nutzen vormittags die Fregatte NIEDERSACHSEN und die Besatzung eines Sea Lynx Hubschraubers die Möglichkeit der gegenseitigen Ausbildung und nachmittags können Start, Landung, An- und Abflüge, wie auch das Betanken, mit einem Sea King Hubschrauber trainiert werden. Für eine Fregatte ist dies unbedingt notwendig, da der Hubschrauber im Einsatz für sie ein unverzichtbares Instrument darstellt.

Foto: OMt Manthey, FGS NIEDERSACHSEN

Flugbetrieb mit einem Sea King Hubschrauber

Neben der Ausbildung des Flugbetriebspersonals auf dem Flugdeck, ist es jedoch genauso wichtig das Auge des Ausgucks für seine maritime Umgebung zu schulen.
Dies kann dann tatsächlich am Donnerstag im Skagerrak wunderbar mit einer U-Boot-Jagd Übung verbunden werden. Noch am Vormittag durch Schadensabwehrübungen und Notrollen vollends vereinnahmt, kann am Nachmittag die Besatzung das deutsche U-Boot U32 live verfolgen. Das von langer Hand geplante Treffen ermöglicht somit nicht nur Live-Training für unsere U-Boot-Jäger, sondern ebenso für alle einen seltenen Blick auf das aufgetauchte Boot. Für die Ausgucks beinhaltet dies zusätzlich eine Belehrung über die einzelnen ausfahrbaren Instrumente eines U-Bootes, sowie das richtige Erkennen von eventuellen Notsignalen. Für den Rest der Besatzung ist es eine willkommene und interessante Abwechslung zum fordernden Tagesdienst.
Da nun Skagen umrundet ist und auch der Kattegat sich dem Ende zuneigt, fahren wir am Freitag nun direkt auf den Großen Belt zu. Und obwohl das Wetter, wie auch die Tage zuvor, einem Sonnenfreund wenig gewogen ist, so ist die Unterquerung der Großen Belt Brücke doch ein beeindruckender Anblick. Sie bietet eine imponierende Abwechslung, bei einem sonst fast schon gewohnten Potpourri aus Maschinenstörungen, Feuern und etwaiger Schadensbegrenzung.

Foto: OMt Manthey, FGS NIEDERSACHSEN
 
Die Unterquerung der Großen Belt Brücke

Ein Abschluss
Nun mag man feststellen, dass fast täglich die Wörter Schadensabwehrübung, Notrolle oder Stellprobe zu hören waren. Das stimmt jedoch nicht ganz. Im Grunde sind diese Worte nämlich täglich zu hören, immer in Kombination mit Ausdrücken wie Gefechtsstation, Command Aim oder Top 3. Und egal welche Bedeutung diesen Dingen in den einzelnen Momenten auch zukommt, so sind sie doch zumeist alle mit Anstrengung, Konzentration, Ausbildung aber auch Motivation verbunden. Eine Woche lang hat diese Besatzung nun für sich und ihre Lady trainiert, um für den Ernstfall gewappnet zu sein. Fünf Tage, welche eine Einstimmung und einen ersten Schritt auf den langen Weg der Einsatzvorbereitung sein sollen. Und um dem Ganzen einen Runden Abschluss geben zu können, folgt Samstag das finale Highlight: Ein Großbrand im Maschinenraum zur Übung. Doch während die Besatzung das innere Gefecht gegen Feuer und Wasser trainiert und die Operationszentrale das Äußere Gefecht um Luft- und Überwasser-kampf Übungen erweitert, steuert man auf der Brücke das lang ersehnte, wenn auch kurze, Wochenende an. Denn am späten Nachmittag ist nicht nur schon längst die Neustädter Bucht erreicht, sondern endlich fällt auch der Anker.

Foto: OMt Manthey, FGS NIEDERSACHSEN

Arbeiten auf der Back, dem vorderen Manöverdeck

O`zapft is!
Nach einer langen Woche, endlos scheinenden Übungen und Gefechtsrollen, sowie dem nicht zu vergessenden Kampf mit der Seekrankheit an der einen oder anderen Stelle, gilt es nun sich zu entspannen und wenn auch nur kurz. So kommt es dann an einem sonnigen Samstagabend, kurz vor der Neustä
dter Bucht, irgendwo in See zwischen Kellinghusen und Dahme dazu, dass der Kommandant der Besatzung für ihr Engagement ein großes Lob ausspricht und sie ermahnt eben dieses auch für die kommenden Ausbildungsabschnitte nicht zu verlieren. So kann er nun für die Männer und Frauen der NIEDERSACHSEN das bordeigene Oktoberfest, zusammen mit dem jüngsten Besatzungsmitglied, welches schon stolze 18 Lenze zählt, eröffnen.

Foto: OMt Manthey, FGS NIEDERSACHSEN

Oktoberfest im Hangar

Bei Weißwurst, Rostbraten, Leberkäs, Kraut und alkoholfreiem Weizenbier klingt die Woche somit ganz im Sinne der Besatzung aus. Die zwei alkoholischen Bier für jeden kamen allerdings, wie könnte es anders sein, aus dem schönen Niedersachsen.

Text: OLtzS Victoria Kietzmann
Bilder: OMt Julien Manthey

   
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